Die Idee„Unseal the City“ ist eine „Entsiegelungskampagne“ bestehend aus zwei Teilen.
Einfach anfangen! Mit einem Bagger brechen wir am 31.07.2021 den Asphalt auf und entsiegeln eine nahezu 12 m² große Fläche. Schön, dass du dabei bist oder es warst! Du hast es verpasst? Mehr dazu - und viele weitere Informationen -  findest du auf unserer Webseite und unseren Social Media Kanälen. Scanne dazu einfach die QR-Codes! Mit diesem -zugegeben- brachialen Akt wollen wir Dein Bewusstsein und Wissen zur Entsiegelung von Stadt erweitern. Wir wollen Dich inspirieren, selbst aktiv zu werden.
Warum aktiv entsiegeln? Dafür gibt es viele gute Gründe zu denen bereits vielerorts geforscht wird. Diese zwei Informationsbanner sollen Dir Hintergrundwissen und Ideen mit auf den Weg geben.

Auswirkungen
Der Begriff „Bodenversiegelung“ wurde erstmals 1940 von Duley definiert und bezieht sich auf eine dünne Schicht, die das Eindringen von Wasser in den Boden begrenzt. Diese Schicht kann z. B. aus Beton, Metall, Glas, Asphalt und Kunststoff bestehen. Dies hat Auswirkungen auf verschiedene Kompartimente eines Ökosystems, die in einem städtischen Kontext von besonderer Bedeutung sind:

Wasser
Eine flächendeckende Versiegelung hat durch den Verlust von Versickerungsflächen für Niederschläge eine ausgeprägte Auswirkung auf den Wasserhaushalt. Die Grundwasserneubildung, welche unter anderem für unsere Wasserversorgung nötig ist, wird stark reduziert. Dagegen gelangt das mit Reifenabrieb, Müll und Hundekot kontaminierte Regenwasser über die Kanalisation entweder direkt in die Oberflächengewässer oder in ein Klärwerk. Außerdem steigt bei Starkregen durch mangelnde Versickerung das Risiko für Überschwemmungen.

Boden
Wird die Wasser- und Sauerstoffversorgung durch Versiegelung verhindert, werden die Bodenorganismen zerstört, die für die Bildung von fruchtbarem Boden verantwortlich sind. Somit wird die Bodenfruchtbarkeit massiv beeinträchtigt und die Kohlenstoff Speicherfunktion des Bodens reduziert. Durch den Verlust an organischen Bestandteilen ändert sich die Bodenstruktur sowie die Puffer- und Speicherkapazität für Nähr- und Schadstoffe. Da sich Böden über längere Zeiträume bilden, kann die vorherige Bodenqualität nur mit hohem Aufwand wiederhergestellt werden.

Biodiversität
Die Bodenversiegelung reduziert die ökologischen Funktionen und verändert den Austausch von Energie, Wasser und Gasen zwischen dem Bereich unter und über einer Bodenversiegelungsschicht. Dies hat direkte negative Auswirkungen auf die pflanzliche und tierische Biodiversität, z. B. durch den Verlust von Pflanzen und Tieren sowie ihrer natürlicher Lebensräume. Die pflanzliche Biodiversität stimuliert  biologische Vielfalt im Boden und führt zu einer erhöhten Bodenfunktion. Der Verlust von natürlichem Lebensraum wurde als einer der Hauptgründe für den jüngsten Rückgang von Insektenpopulationen erkannt. Daher ist die Entsiegelung der Böden eine positive Maßnahme, um gesunde Böden und eine reiche Artenvielfalt von Pflanzen und Tieren zu erhalten, zu schützen und zu entwickeln.Vision

„Adapt 4 Climate“
Stellen wir uns vor, es gäbe eine bundeseigene virtuelle (Vernetzungs-)Plattform mit dem Arbeitstitel „Adapt4Climate“: Anhand einer Karte können Anwohnende sehen, welche Flächen von Gewerbetreibenden, Flächenbesitzer*innen oder der Stadt für Umweltprojekte zur Verfügung gestellt werden. Eine öffentliche Projektpinnwand koordiniert und vernetzt Menschen aus dem Viertel mit den lokalen Unternehmen vor Ort. Diese Menschen können ihr Projekt vorstellen, Projektphasen auswählen und ganz unbürokratisch Kosten für Materialien zurück erhalten. Ein kleiner Anreiz von 50 Euro für Projektverantwortliche für einen vollständigen Projektbericht sorgt für eine gesicherte Vermittlung von Inhalten und eine transparente Projektkommunikation. In bis zu drei Kategorien können Projekte umgesetzt werden: Grünpflege, Entsiegelung und Renaturierung. Ein Maßnahmenkatalog mit Bauanleitungen steht zu Verfügung. Viele hilfreiche Links informieren über die drei Themengebiete. Eine interaktive Hauptseite zeigt eine Übersicht aller Projekte, die in der Kommune oder dem Bundesland realisiert werden, und schafft so größtmögliche Transparenz.Was hältst du von der Idee? Teil deine Meinung mit uns!

Ziel
Unser Ziel ist es, durch Entsiegelung zu einer lebenswerten und nachhaltigen Stadtentwicklung beizutragen. Neben den aufgezählten Herausforderungen gibt es zahlreiche weitere Themen, die unsere Aufmerksamkeit verdienen: der demografische Wandel, der Mangel an bezahlbarem, urbanem Wohnraum, das Auseinanderklaffen der Schere zwischen Arm und Reich, Ghettoisierung, Stigmatisierung, Segregation, der Klimawandel, Gentrifizierung, patriarchalische Strukturen, die sich im städtischen Raum manifestieren und zu guter letzt kapitalistisch gesteuerte, globale als auch lokale Bodenpolitiken. Wir fangen aber erstmal mit dem Bagger an.
In einer sich stetig wandelnden Gesellschaft ist es wichtig, dass wir gemeinsam unsere Lebensgrundlage schützen, erhalten und entwickeln. Nur gemeinsam können wir die globalen Krisen lösen und überleben. Es reicht uns nicht, dass in Bauprozessen auf Freiräume geachtet wird. Wir müssen jetzt aktiv entsiegeln, großflächig, dezentral organisiert und gemeinschaftlich umgesetzt.


J•KUKULA
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